BESW - Hufakademie

Hufpflege - Huftechnik - Hufbeschlag

7NAIL
Test: Linda Stadler, Hufpflegerin, Huftechnikerin und Hufschmiedin
Text: Linda Stadler und Dr. Alexander Wurthmann, Verwaltungsleiter der BESW Akademie
Fotos: Linda Stadler und Dr. Alexander Wurthmann
Redaktion:Dr. Alexander Wurthmann
Alle Rechte, auch der Übersetzung in fremde Sprachen liegen bei der BESW Hufakademie. Kein Teil der Publikation darf ohne schriftliche Genehmigung der BESW Hufakademie in irgendeiner Form – durch Photokopie, Mikroverfilmung oder irgend ein anderes Verfahren – reproduziert oder in eine von Maschinen, insbesondere von Datenverarbeitungsmaschinen, verwendbare Sprache übertragen werde, das gilt auch für jedwede digitale Verarbeitung oder Verwendung in Datennetzen.
Für gewöhnlich gilt die „7“ als Glückszahl von hohem Rang. Was stellen wir uns also unter einem glücklichen Hufnagel vor? Schanker Schaft mit scharfer Klinge und ein kompakter Kopf oben drauf. Schön gestreckt, damit er beim Einschlagen auf keinen Fall krumm wird. Doch halt, genau letzteres scheint beim 7Nail unglücklicherweise geschehen zu sein! Völlig krumm und umgebogen ist der Kopf – eine Qual für Hufexperte und Pferd gleichermaßen. Aber wenn man etwas genauer hinschaut, ist diese unglückliche 7er-Form sogar vom Erfinder genau so geplant!!! Exakt in dieser krummen Form soll man den 7Nail in den Huf schlagen. Und dabei sollen zwei Ziele erreicht werden: Abnutzung gezielt an einzelnen Stellen am Huf verringern und somit Fehlstellungen ohne Beschlag korrigieren. 7Nail ist besonders für den Einsatz bei Fohlen und Jungpferden gedacht und soll auch das Umstellen auf Barhuf erleichtern.

Haben sich das nicht schon viele Hufexperten gewünscht? Gezielt einzelne Partien des Tragerands schützen, ohne daß man gleich einen ganzen Hufschutz anbringen muß. Zwei bis drei Nagellöcher statt sechs, 5 Gramm zusätzliches Gewicht am Huf statt 500, Erhaltung der Flexibilität der Hornkapsel und damit des Hufmechanismus statt dessen Einschränkung: Das alles hört sich sehr viel versprechend an.

Abgegeben wird dieses Versprechen von Kjeld Thorlund Jensen, einem dänischen Hufschmied. Ein Jahrzehnt ließ ihn die Idee für einen punktuellen Hufschutz nicht mehr los, mit dem man Stellungskorrekturen bewirken kann, ohne zu sehr in den Hufmechanismus einzugreifen. Er fand per Zufall heraus, daß um den Tragerand gebogene Hufnägel, den Abrieb an diesen Stellen reduzieren. Er testete diese Idee zunächst mit Hufnägeln an seinen eigenen Trabern, die er auch in Pferderennen einsetzte. Das große Problem bestand darin, daß die Hufnägel nur sehr schwierig in den Huf zu schlagen waren. Nach vielen Versuchen wurde daher schließlich die heute als 7Nail angebotene Form entwickelt.
Produktbeschreibung
Beim 7Nail handelt es sich um einen gewöhnlichen Hufnagel mit einem speziellen Kopf. Er ist aus Stahl, der für erhöhte Abriebfestigkeit bei gleichzeitiger Flexibilität laut Hersteller kohlenstoffnitriert ist. Das Produkt wird vor Korrosion durch eine Oxidation geschützt.
Der 7Nail hat an stelle eines Kopfes am oberen Ende des Schafts eine etwa 0,5 cm² messende Bodenfläche, die zur gegenüberliegenden Seite der Zwicke zeigt.
Es gibt zwei verschiedene Bodenflächenarten. Eine ist am Ende gekröpft, die andere nicht.
Es gibt insgesamt vier verschiedene Produkte. Größe 1 hat eine Länge von 37 mm und eine gerade Bodenfläche. Die folgenden drei Größen haben alle eine Länge von 47 mm und unterscheiden sich nur in der Bodenfläche. Die eine hat eine schmale gekröpfte Bodenfläche, die nächste eine mittelbreite gerade Bodenfläche und die letzte schließlich eine breite gekröpfte Bodenfläche.
Auf der Oberseite der Bodenfläche befindet sich oberhalb des Schafts eine Erhöhung. Da geht’s beim einschlagen immer feste druff. Auf diese Weise soll vermieden werden, daß der Winkel der Bodenfläche zum Schaft verändert wird.
Verarbeitung
Jede Packung 7Nail enthält ein Faltblatt mit sehr detaillierten Hinweisen zur Anwendung des 7Nail. Auch die website enthält diese Hinweise und zusätzlich ein Lernvideo.

Das Pferd wird zuerst ganz normal ausgeschnitten. Dann werden die Stellen festgelegt, an denen ein 7Nail gesetzt werden soll. Abhängig von der Breite der Hufwand wird sodann der geeignete Nagel ausgewählt. Danach werden an die Stellen, an denen die 7Nails den Abrieb am Huf reduzieren sollen, Vertiefungen in die Hornwand geschlagen.
Dazu verwendet man den sog. Snapper.
Er wird seitlich am Tragerand angesetzt.
Mit Hilfe eines Hammers können nun solche Vertiefungen in den Tragerand eingeschlagen werden.
Darauf wird der 7Nail in die weiße Linie an der eben vorbereiteten Stelle eingeschlagen. Dabei ist darauf zu achten, dass man den Nagel genau auf der Erhöhung an der Bodenfläche trifft, da sich die Bodenfläche sonst verbiegen kann. 7Nail empfiehlt dazu die Verwendung eines Hammers mit schlankem Kopf und leicht gewölbter Schlagfläche.
Da der 7Nail keine Führung durch das Nagelloch eines Hufschutzes hat, kann er sich beim Einschlagen leicht verdrehen oder verbiegen. In solchen Fällen empfiehlt es sich den Nagel mit dem Snapper zu stützen. Verdrehte 7Nails können allerdings problemlos mit der Nagelziehzange wieder in die richtige Lage bzw. Form gebogen werden. Manche Huftechniker oder Hufschmiede schlagen vor dem 7Nail einen ganz normalen Hufnagel in den Huf und legen so einen Kanal für den 7Nail. Man sollte dabei aber unbedingt auf die richtige Größe des Hufnagels achten. Der Nagel muß plan in der Hornwand liegen. Nach dem Einschlagen wird nur noch die Spitze des 7Nail abgezwickt und glatt geraspelt. Entfernt werden die Nägel einfach mit der Nagelziehzange.
Testbetrieb
Wir haben das 7Nail System an 2 Pferden mit unterschiedlichen Fehlstellungen und Nutzungen getestet.
Luna, das erste Pferd, hat zwei unterschiedlich steile Vorderhufe. Hier wurden am steilen Huf in der Zehe und am flachen Huf im Trachtenbereich je 2 Nägel gesetzt um den Abrieb zu verhindern und die Hufe aneinander anzugleichen. Das Pferd läuft auf überwiegend weichem Boden und Sand und wird ca. 5 mal pro Woche geritten. Hier war nach 4 Wochen eine deutliche Verbesserung der Stellung zu erkennen. Hatten die Hufe anfangs 5 Grad Unterschied, so war es dann nur noch ein Grad.
Auch der Abrieb an den 7Nails hielt sich in Grenzen.
Bei Jungpferd Smoky sollte die starke, mediale Abnutzung minimiert und somit der lateral hochgeschobene Kronrand korrigiert werden.
Dazu wurden medial im Zehen- und Trachtenbereich 2 Nägel eingeschlagen. Das erste Problem entstand schon durch eine sehr dünne und weiche Wand im Trachtenbereich, was das Nageln schwierig machte. Bei diesem Pferd konnte letztendlich kein Erfolg festgestellt werden. Die beiden hinteren, in der dünnen Wand sitzenden Nägel sind ausgebrochen und die beiden vorderen Nägel waren stark abgelaufen, was auch das Entfernen mit der Nagelziehzange schwierig machte. Evtl. hätten hier mehr Nägel gesetzt werden müssen.
Kosten
Der 7Nail ist in verschiedenen Gebinden beim Exklusiv-Importeur Andreas Strohm erhältlich. Standard-Paket ist die Mixed-Box mit 140 7Nails,
gleichmäßig verteilt auf die vier Größen. Dazu kommt der Snapper. Für alle, die sich vom Einstandspreis von ca. 200 € abschrecken lassen, gibt es lobenswerterweise eine Trial-Box mit 32 7Nails und natürlich einem Snapper. Geizgeile Sparfüchse könnten jetzt vorrechnen, daß ein 7Nail ca. 1,25 € kostet. Bei durchschnittlich 4 7Nails pro Huf und einem verschlagenen sind wir dann schon in Preisregionen für einen normalen Eisenbeschlag. Und das nur für ein paar Hufnägel? Aber solche lassen den Hufschutz auch drei Monate dran und stümpern selber am Huf rum. Und dann stehen sie wieder weinend im Walde, weil alles schief gegangen ist – aus unerklääääärlichen Gründen.
Fazit
Das 7Nail-System hat durchaus Vorteile und funktioniert sehr vielen Fällen, ist aber sicher nicht für jedes Pferd und jede Stellungskorrektur geeignet. Nachteile zeigten sich bei dünnen, schwachen Wänden, harten Böden und starker Aktion des Hufes bei der Fußung. Dadurch entsteht zu starker Abrieb an den Nägeln. Bei schweren Pferden ist die Krafteinwirkung auf den 7Nail so groß, daß er sogar brechen kann.
Wenn der Abrieb an der Trachte eingedämmt werden soll, muß zu weit hinten genagelt werden. Fehlstellungen lassen sich mit regelmäßiger, sorgfältiger Hufpflege und/oder gutem Hufschutz auch korrigieren. Als ergänzende Maßnahme zur Hufpflege läßt sich der 7Nail jedoch sehr gut einsetzen. Er kann der einseitigen Abnutzung am Tragrand entgegen wirken und so das erneute Anlaufen einer Fehlstellung reduzieren bis verhindern. Und reduziert dabei nicht den Hufmechanismus, wie ein Hufschutz dies würde.
Ohne tief greifendes Wissen zur Gliedmaßenkorrektur sollte niemand mit 7Nail am Huf aktiv werden. Ambitioniertes Do-it-yourself-Nageln kann hier alles ganz schnell verschlimmern und dann erst richtig teuer machen. Achtung Hufpfleger: Der 7Nail ist ein permanenter Hufschutz: Der Blitz soll Euch beim Scheißen treffen, wenn Ihr damit rumspielt.
Zusammenfassend: Die Idee des 7Nail von Kjeld Thorlund Jensen ist innovativ, funktioniert in vielen Fällen und ist bezahlbar. Der 7Nail ist ein wertvoller Beitrag zur Hufgesundheit.
Hersteller
Biolit ApS, Kongevejen 35 A, DK 3480 Fredensborg, Dänemark
Tel. 0045 8230 7770, Fax 0045 3257 7177
www.7nail.com

Kontakt zur Autorin

Bezugsquellen

Andreas Strohm Hufbeschlagartikel, Ikarusstr. 26, D 40474 Düsseldorf
Tel. 0211/650408/0, Fax 0211/650408/77
www.strohm.de

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